20 Jahre Tolerdance – Party für Schwule, Lesben und FreundInnen

Gaypartys kommen und gehen. Das Tolerdance bleibt. Bereits seit 1992 Jahren findet im ISC jeden 4. Samstag im Monat das Tolerdance statt, die beliebteste Disco für Schwule, Lesben und FreundInnen in Bern.

Im September 1992 fand im Konzert- und Disco-Club ISC (Internationaler Studentenclub), hinter der Berner Reithalle, zum ersten Mal eine Party für Schwule und Lesben statt. Zu dieser Zeit trafen sich Homosexuelle meist in diskreten Hinterzimmern unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In Bern gab es nur das – mittlerweile vergessene – Schwulen-Lokal Ursus Club. Dieses schloss aber kurz darauf seine Türen für immer.

Im Organisationskomitee für das Homofest 1991, im alternativen Kulturzentrum Reitschule, lernten sich Ludwig Zeller (Grafiker) und Matz Kündig (Radiomacher) kennen. Wärend der Arbeit für dieses schwul-lesbischen Kulturfestival entwickelten sie die Idee einer Gay-Party in einem etablierten (Hetero-)Club. Erklärtes Ziel war, Feste gemeinsam mit heterosexuellen Freunden und Freundinnen zu feiern. Das bedeutete Anfangs der 90er Jahre eine Abkehr von der Ghettoisierung, hin zum toleranten Miteinander.

Ludwig Zeller als Stammgast und Matthias Kündig als DJ und Ressortleiter Disco verbrachten damals schon viel Zeit im ISC. Dort löste ihr Vorschlag für einen schwul-lesbischen Discoabend zwar anfänglich Unbehagen aus, wurde aber schliesslich akzeptiert. Einzige Bedingung des ISC-Vorstandes: Niemand (sprich Hetero) darf ausgeschlossen werden. Dies entsprach jedoch von Anfang an dem Konzept der beiden Macher: Junge Menschen, egal welcher sexueller Orientierung, sollten in einem toleranten Umfeld gemeinsam tanzen und feiern können.

In der Anfangszeit überraschten Ludwig Zeller und Matz Kündig auch musikalisch. Ihr Programm bestand einerseits aus Perlen der 70er und 80er Jahre, andererseits aus aktuellen Sounds aus den Charts und damals noch frischem Techno und House. Das musikalische Programm war genau so bunt gemischt, wie das Publikum und traf den Nerv der Zeit.

Nach fünf Jahren ist aus dem Macherduo ein -trio geworden: zusammen mit Thomas Lüthi (DJ Thomy L.) haben sich Ludwig Zeller und Matz Kündig zum «House of Tolerdance - H.O.T.» zusammengeschlossen. Regelmässige Guest-DJ's sorgen für weitere musikalische Abwechslung auf der Tanzfläche. Neben dem monatlichen Tolerdance (jeweils vierter Samstag) im ISC, veranstaltete H.O.T. von 1997 bis 1999 unter dem Namen «Queerz» auch noch regelmässig Gay-Partys in der damaligen Tanzbar U1 (früher Ursus Club, heute Sous Soul) an der Junkerngasse in Bern. Zudem stiegen in dieser Zeit auch im Berner Technoclub Via Felsenau jeweils grosse «House of Tolerdance»-Partys.

Um den unterschiedlichen musikalischen Vorlieben des Publikums besser Rechnung tragen zu können, bieten die Tolerdance-Macher heute zwei verschiedene Abende an: Mit den sogenannten Elektro Tolerdance befriedigt DJ Thomy L. und seite 2009 DJ PCB das Bedürfnis nach moderner Tanzmusik und elektronischen Klängen zum abspacen. FreundInnen glitzernder Hits aus der musikalischen Schatzkiste kommen am Golden Tolerdance auf ihre Rechnung. Diese goldenen Tanzabende werden von DJ Ludwig mit viel schwulem Augenzwinkern präsentiert.
Der Höhepunkt des Jahres ist jeweils das Sommer-Tolerdance Ende August, mit der inzwischen legendären Live- und Playbackshow.

Das Tolerdance ist heute aus der Berner Gay-Szene nicht mehr wegzudenken. Einige Gäste sind dem Tolderdance seit Beginn treu, aber es kommen auch immer neue Gäste dazu. Für viele junge Schwulen und Lesben ist das Tolerdance oft der erste Schritt in die Gay-Szene und Hilfe beim Coming Out. Da das Tolerdance niemanden ausschliesst, fällt es unerfahrenen Gays leichter, Neuland zu betreten. Diese kommen beim ersten Mal meistens mit ihrer besten Freundin – «rein zufällig». Beim zweiten Mal wagen sie es alleine. Beim dritten Mal gehen sie nicht mehr alleine nach Hause.

Das Tolerdance wird oft mit einem Marktplatz verglichen, wo man alte Bekannte trifft und neue Freunde findet, Kontakte knüpft und Neuigkeiten austauscht. Die Atmosphäre ist familiär – cooles Grossstadtgehabe ist nicht gefragt. Es soll Ausland-Berner geben, die ihre Heimatstadt  gerne an Tolerdance-Wochenenden besuchen, weil sie dann all ihre alten Freunde im ISC antreffen.

Das Konzept der offenen Gay-Party hat sich bewährt. Der vierte Samstag im Monat ist heute ein fixes Datum im Berner Partykalender und wird es noch lange bleiben. Dabei bleibt Tolerdance am Puls der Zeit.